Exilmuseum
Wie erinnert sich ein Ort an diejenigen, die ihn verlassen mussten?
Kontext
Das Exilmuseum Berlin verbindet die Geschichte des Exils von 1933 bis 1945 mit den Erfahrungen und Fragen der Gegenwart. Persönliche Lebensgeschichten eröffnen Zugänge zu Verlust, Zugehörigkeit und Neubeginn. Mittelpunkt ist die historische Villa in der Fasanenstraße 24, die sich als offener Ort für Lernen, Begegnung und gesellschaftlichen Austausch entwickelt. Bis zum Umbau und zur geplanten Neueröffnung 2028 befindet sich das Museum im Interimsbetrieb. Für diese Übergangsphase galt es, ein Erscheinungsbild zu entwickeln, das die Neuausrichtung sichtbar macht und historische Verantwortung mit einem zeitgenössischen, zugänglichen Auftritt verbindet.
Ansatz
In einem dreiteiligen Workshop mit dem Museumsteam schärften wir Selbstverständnis, Zielgruppen und kommunikative Leitlinien. Der daraus entwickelte Entwurf übersetzt das Thema Exil in eine einfache typografische Bewegung: Das „u“ verlässt seinen Platz in der Wortmarke und hinterlässt eine Lücke. Abwesenheit und räumliche Verschiebung werden im Namen selbst sichtbar. Klare Grotesktypografie und eine vielfältige Farbpalette geben dem Erscheinungsbild einen direkten, einladenden Charakter. Als flexibles System verbindet es Plakate, räumliche Anwendungen und digitale Medien.
Im Zentrum steht ein Zugang zu Exilgeschichten, der Menschen über ihre Verfolgungserfahrungen hinaus wahrnimmt, ihren Stimmen Raum gibt und ihr Leben vor und nach der erzwungenen Flucht sichtbar macht. Geschichte soll dabei nicht als etwas Abgeschlossenes behandelt werden. Ziel ist eine Erinnerungskultur, die zeitgenössische Perspektiven einbezieht und dazu einlädt, aus der Geschichte für Gegenwart und Zukunft zu lernen.
Die Freigabe für die entwickelte Wortmarke wurde im weiteren Projektverlauf zurückgezogen. Ein neues Briefing stellte größtmögliche Lesbarkeit in den Mittelpunkt – verbunden mit der Aufgabe, die Grundidee der Abwesenheit weiterhin gestalterisch aufzugreifen.
Projektdokumentation