Sechzehn Objekte
Was kann ein Objekt darüber erzählen, was ein Ort verloren hat?
Kontext
Zum ersten Mal in der siebzigjährigen Geschichte von Yad Vashem kehrten Objekte aus der Sammlung nach Deutschland zurück. Sechzehn persönliche Gegenstände, jeweils verbunden mit einem Ort in einem der heutigen sechzehn Bundesländer, erzählen von jüdischen Menschen, die dort einst lebten, und von den Leben und Gemeinschaften, die im Holocaust zerstört wurden.
Ausgangspunkt für die Ausstellung war eine Fotografie aus Kiel von 1931. Sie zeigt eine Chanukkia im Fenster einer jüdischen Familie; auf dem gegenüberliegenden Gebäude ist eine Hakenkreuzfahne zu sehen. Ein persönlicher Gegenstand und sein historisches Umfeld erscheinen im selben Bild. Vorder- und Hintergrund erzählen unterschiedliche, aber untrennbar miteinander verbundene Teile derselben Geschichte.
Wie lässt sich dieses Verhältnis zwischen einem Objekt und dem Ort, aus dem es stammt, zum gestalterischen Prinzip einer Ausstellung machen?
Ansatz
Um die sechzehn Objekte wieder mit den Orten zu verbinden, aus denen sie stammen, reisten zwei Fotografen durch Deutschland zu Orten, die für das Leben der Menschen, denen die Objekte gehört hatten, von Bedeutung waren. An jedem dieser sechzehn Orte entstand eine neue Aufnahme, die den Ort so zeigt, wie er heute aussieht.
Die Ausstellung überträgt damit die Komposition der historischen Fotografie in den Raum. Jedem historischen Objekt wird eine zeitgenössische Aufnahme des mit ihm verbundenen Ortes gegenübergestellt. Objekt und Ort treten in direkte Beziehung zueinander und verbinden eine individuelle Geschichte mit dem Schauplatz, an dem sie sich einst abspielte.
Dieses Verhältnis bestimmt sowohl die Ausstellungsarchitektur als auch das grafische System. Statt die Vergangenheit zu rekonstruieren, macht die Ausstellung ihre Spuren in der Gegenwart sichtbar.
Projektdokumentation